
Die Vergänglichkeit beschreibt das Vergehen eines Objekts im zeitlichen Verlauf. Hsieh greift diese Veränderung des Materials als die Grundidee seines Arbeitsprinzips auf und knüpft in seinen One Year Performances daran an. Die physische Belastung intensiviert den Aspekt des Vergehens und transformiert den Menschen als Medium zum Spiegel der Vergänglichkeit.
In Hsiehs One Year Performance von 1980 bis 1981 ist das Vergehen der menschlichen Jugend deutlich zu erkennen: Auf Hsiehs zu Anfang kahl rasierten Kopf wachsen üppig Haare in die Länge, Ansätze eines Bartwuchses sind festzustellen und es bilden sich Augenringe und Furchen im Gesicht des Künstlers als Antwort auf die Anstrengung innerhalb dieses Projekts.[7]
Der Künstler selbst folgt der Überzeugung, dass der Mensch bis zu seinem Tod nichts Weiteres täte, als Zeit zu verbrauchen. Es ist der Kreislauf des Lebens, dass materielle und organische Objekte vergehen und die Grundlage für etwas Neues einnehmen. Die Zeit auf der Erde ist für jedes Lebewesen begrenzt und der Traum der Ewigkeit verbunden mit der Transzendenz. In Hsiehs Werken wird das menschliche Streben nach der Unsterblichkeit und Vollkommenheit sekundär behandelt. Sie basieren auf der Darstellung des zeitlichen Verlaufs, begleitet von der physischen und psychischen Belastung. Hsieh verdeutlicht mit seinen Werken jedoch, dass das Ziel der Ewigkeit unmöglich zu erreichen ist und der Mensch zurück in die Vergänglichkeit verfällt.
One Year Performance 1978–1979 (Cage Piece)
In dieser Performance sperrte Hsieh sich für ein Jahr in einen Käfig aus Holz ein. Die Einrichtung des Käfigs war auf das Minimale reduziert. Er behielt lediglich lebensnotwendige Möbelstücke, wie ein Waschbecken, ein Bett und einen Eimer für die Notdurft. Hsieh durfte weder sprechen noch lesen oder Radio hören. Ein Freund versorgte ihn mit dem Nötigsten, entsorgte seine Abfälle und dokumentierte Hsiehs Zustand in einem Foto.
One Year Performance 1980–1981 (Time Clock Piece)
Diese Aktion bestand darin, dass er ein Jahr lang einmal pro Stunde eine Stempeluhr bedienen und dabei ein Foto machen sollte. Der damit einhergehende Schlafentzug habe ihn in eine Art Delirium versetzt und führte zur Verfehlung einiger Aufnahmen. Um die Veränderung seines Körpers unter den Einflüssen der Zeit hervorzuheben, begann er seine Fotoserie mit kahl rasiertem Kopf.

One Year Performance 1981–1982 (Outdoor Piece)
Hsieh verbrachte ein Jahr im Freien, er durfte weder Gebäude betreten noch sich in einem überdachten Ort (Auto, Zug etc.) aufhalten.

Art/Life: One Year Performance 1983–1984 (Rope Piece)
In dieser Performance war er für ein Jahr mit der Künstlerin Linda Montano durch ein Seil verbunden, allerdings durften die beiden sich nicht berühren. Montano sagte über die Aktion: „It was a chance for the mind to practice paying attention, a way to stay in the moment.“
One Year Performance 1985–1986 (No Art Piece)
